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Sonntag, 13. Mai 2012

Ausflug nach Kvilda - Teil 4

Hallo liebe Leser,

hier folgt nun der vierte und letzte Teil unseres Besuches im Böhmerwald, genauer gesagt in Kvilda.

Nachdem wir den Fluß Vydra entlang gewandert sind, wollten wir auf den Rückweg zum Hotel noch einen Abstecher zu einem der zahlreichen Hochmoore rundum Kvilda machen. Das nächstgelegene Moor  auf unserem Rückweg ist das kleine Drei Seen Moor in der Nähe der Ortschaft Modrava. Dieses Moor ist nur über einen Wanderweg von ca. 2km Länge zu erreichen. Das Auto muss man dabei in Modrava stehen lassen. Dies hätte aber in unserem Fall bedeutet, dass wir relativ spät zum Abendessen im Hotel sind. Deswegen haben wir uns  für ein anderes Hochmoor, welches relativ einfach mit dem Auto zu erreichen ist entschieden. Dieses nennt sich Chalupská Slat und liegt etwa auf halben Wege zwischen Kvilda und Borová Lada.

Vom Parkplatz erreicht man den Zugang zum Moor in wenigen Minuten und dank der Informationstafeln erfährt man auch Einiges über die Geschichte. Chalupská Slat ist mit ca. 105ha das größte Hochmoor in Böhmen.
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Chalupská Slat


Über einen Holzsteg betritt man das Hochmoor. Während man links kaum durch die Kiefern und Birken die Landschaft sehen kann, so sieht man rechts vom Steg eine durchaus kahle Landschaft mit nur wenig Baumbewuchs. Dieser Teil des Hochmoores wurde bis in die 60er Jahre des 20. Jh. vom Torfabbau geprägt. Dementsprechend hat die Landschaft unter diesem  Raubbau gelitten. Wie man aber auf dem obigen Bild sehen kann, hat die Natur die Landschaft wieder zurückerobert.

Folgt man dem hölzernem Steg, so gelangt man nach ca. 300 Metern zum Moorsee.  Hier nisten im Uferbereich und im Schutze des Dickichts zahlreiche Vögel. Wir konnte aber nur Enten beobachten. Dass das Füttern der Tiere untersagt ist, versteht sich fast von selbst. Bei diesem Verbot geht es nicht nur um die Tatsache, dass die Tiere vom Menschen abhängig werden, sondern vielmehr um die Gefahr, dass fremde Stoffe in das Biotop gelangen und dieses zerstören.

See in Chalupská Slat

Hier und beim Bild oben habe ich die Farbe bewusst weggelassen, denn ersten war das Wetter eher trübe und zweitens finde ich, dass das eher in das triste Bild passt.

So das war's eigentlich schon aus Kvilda. Der Aufmerksame Leser sagt aber Moment! Da war doch noch was mit dem  Krankenhaus. Richtig.
Ich habe ja erwähnt, dass mein Freundin mit einer leichten Blasenentzündung angereist ist. Diese hat sich im Verlauf der Samstages bis zu Krämpfen verschlimmert. Im Hotel hat man uns gesagt, dass es im 18km entfernten Vimperk einen ärtzlichen Notdienst gibt. Dort angekommen, mussten wir feststellen, dass der Dienst bereits im Januar 2011 eingestellt wurde und die Versorgung jetzt vom Krankenhaus in Prachatice übernommen wurde. Anscheinend hat sich das noch nicht überall rumgesprochen. Also auf nach Prachatice. Hier fängt ein kleines Abenteuer an, fasr wie aus einem schlechten Film.
Angekommen im Krankenhaus, mussten wir erst eine Gebühr von 90 Kronen entrichten. Daraufhin wurden wir in die Chirurgische geschickt. Doch plötzlich kam die Empfangsdame und meint, wir sollten doch lieber zur Gynäkologie in den zweiten Stock. Hier mit dem Aufzug angekommen, war den Flur dunkel und leer. Wir klingelten an einer Glastür. Der Schwester habe ich dann klargemacht, dass hier eine Blasenentzündung vorliegt. Der herbeigerufene Arzt war wohl gerade erst wachgeworden. Sein Aussehen erinnerte an Josef Stalin, nur einen Kopf kleiner. Es erwies sich aber hier als besonders schwer ihm klarzumachen, was eigentlich los ist. Seine stotternden Versuche in englischer Sprache etwas in Erfahrung zu bringen sind ebenfalls gescheitert, weil man kaum was verstehen konnte.
Letztendlich bekam meine Freundin ein Antibiotikum gegen die Erreger und Zäpfchen gegen die Schmerzen. Als die Krankenschwester die Kontaktdaten wegen der Bezahlung ins Computersystem aufnehmen wollte, scheiterte sie. Sie hätten seit Freitag ein neues Computersystem und keinerlei Schulung bekommen. Nach mehreren Versuchen wurde eine alte Schreibmaschine aus dem Schrank geholt und die Daten notiert. Aber auch hier gab es mehrere Anläufe alles korrekt zu notieren. Anscheinend ist es für die tschechischen Nachbarn schwierig mit deutschen Umlauten und Straßennamen umzugehen.
Nun das Schmerzmittel hat letztendlich geholfen, den um halb zwei Nachts im Hotel angekommen, waren die Schmerzen deutlich schwächer.

Der Sonntag war verregnet und nach diesem Abenteuer hatten wir nur noch den Wunsch heimzufahren.

Dennoch, wir kommen wieder, denn Kvilda ist ein Ort der Ruhe und das Hotel Sumava Inn ist sehr zu empfehlen. Knappe 60€ pro Person und zwei Nächte ist wirklich günstig.

Bis zum nächsten Beitrag, dann wieder über die Blos'n...

Markus

Mittwoch, 9. Mai 2012

Ausflug nach Kvilda - Teil 3

Hallo liebe Leser,

der letzte Teil von Kvilda ist schon eine Weile her. Dafür möchte ich mich entschuldigen. Ich hatte jetzt ein wenig viel um die Ohren und ein Wochenende in Prag war auch noch drin. Dazu wird es demnächst einen eigenen Beitrag geben.

Die ersten zwei Teile von Kvilda befassten sich mit unserem Ausflug in den Böhmerwald im Jahre 2011. Dieser Teil soll unseren Ausflug dorthin aus diesem Jahr kurz behandeln.

Da wir die Moldauquelle schon kennen, haben wir uns diesmal entschieden eine kleine Wanderung von ca. 15km Länge entlang des Flußes Vydra (zu deutsch Fischotter) und seinem Steinmeer zu machen.
Der Weg führt mit dem Auto von Kvilda aus in östliche Richtung in die Ortschaft Modrava. Hier biegen wir nach rechts Richtung Rokyta. Nach wenigen Kilometern durch den Wald, kommt rechterhand ein gebührenpflichtiger Parkplatz. Hier sollte man das Auto für 60 Kronen/Tag abstellen und die restlichen 200m bis zum Beginn der Wanderroute zu Fuß gehen. Die Weg entlang des Flußes Richtung Cenkova Pila, ein Sägewerk, ist ca. 7,5km lang.

Fluß Vydra

Die Route ist gleichzeitig ein Lehrpfad, der an den verschieden Stationen Information zur Entstehung der Landschaft sowie zur Flora und Fauna gibt.

Gleich zu Beginn, an der Stelle, an der eine Brücke die Vydra überspannt, lässt sich ansatzweise erahnen, welche Landschaft uns noch erwartet. Das Wasser ist typischerweise wieder braun eingefärbt. Die Vydra ist hier keineswegs ein Bach, wie in manchen Reiseführern beschrieben. Hier handelt es sich um einen ausgewachsenen Fluß mit einer starken Strömung, die alles mit sich reißt, was nicht fest ist.

Logischerweise ist es hier mit der idyllischen Ruhe des Böhmerwaldes vorbei, aber die Landschaft entschädigt dafür umso mehr.
Die Steinbrocken im Flußbett stammen aus der letzten Eiszeit und sie werden stetig vom Wasser bearbeitet.
Doch nicht nur im Wasser findet man solche tonnenschwere Felsen. Nach etwa vier Kilometern entdeckt man am Ostufer der Vydra eine riesige Felsbrockenwand von  mehreren Hundert Metern höhe. Diese sind im Gegensatz zu den Felsen verhältnismäßig scharfkantig.
Der Lehrpfad sagt, dass hier der Luchs zuhause ist, denn in dieser verwinkelten Landschaftsformation findet er genügend Verstecke. Außerdem ist die Felsenwand kaum für den Menschen erreichbar. So kann es ein, dass man gerade vom Luchs beobachtet wird, ohne es zu merken.  

Eiszeitliche Felsbrockenwand
Zugegeben, ich habe auf den Bilden in der 100% Ansicht nach dem Luchs gesucht, ohne Erfolg. Ich glaube diese Wildkatzenart ist derart scheu, dass man eher im Lotto gewinnt, als dass man sie in freier Wildbahn sieht.

Entlang der Wanderroute sind einige Rastplätze mit Holzbänke und Tischen anzutreffen, so dass man hervorragend Brotzeit machen und die Atemberauben Landschaft genießen kann. Oft wird diese Tal der Vydra als die Perle des Böhmerwaldes beschrieben. Aus diesem Grund möchte ich hier noch zwei Bilder statt vieler Worte wirken lassen.




Wir verzichteten aus gesundheitlichen Gründen darauf die komplette Route als Schleife zu gehen und sind einfach entlang der Vydra zurück zum Auto. Somit gibt es hiervon nicht Neues zu berichten. Unser nächste Ziel war ein kurzer Abstecher zu einem Hochmoor. Doch dazu mehr demnächst im vierten und letzten Teil von Kvilda.

Euer Markus

Sonntag, 29. April 2012

Ausflug nach Kvilda - Teil 2

Hallo liebe Leser,

heute folgt der zweite teil von Kvilda.

Wir waren bei Bucina stehengeblieben. Diese Ortschaft war bis 1956 für etwa 200 Person die Heimat. Von der kommunistischen Regierung wurde die einst 26 Häuser bis auf ein Hotel komplett abgerissen und die Einwohner umgesiedelt. Heute ist Bucina eher eine Bezeichnung für den Grenzübergang, der lediglich zu Fuß aus Finsterau erreichbar ist.
Eine privat finanzierte Rekonstruktion der einstigen Grenzbefestigung zeigt die perfide Grausamkeit des Eisernen Vorhangs. 

Nach einer  kurze Pause ging es langsam wieder Richtung Kvilda. Ein Besuch im Hotel war im März leider nicht möglich, da dieses saisonal bedingt erst im April öffnet.

Blick nach Bucina


Das Bild zeigt einen Blick über Bucina Richtung Grenze. Die Hügelkette am Horizont ist bereits Gebiet der Bundesrepublik.

Der Weg zurück nach Kvilda führt wieder an der jungen Moldau vorbei, die hier ihren fröhlichen Tanz, wie Smetana sagt, aufführt. Leider war das Wetter eher schlecht, und der Frühling ließ im März 2011 noch lange auf sich warten, wie das Bild des Baumes unweit von Bucina zeigt.

Kein Frühling bei Bucina

So schade es war, dass der Frühling im Böhmerwald noch nicht Einzug gehalten hat, so interessant war es aber auch. Der abschmelzende Schnee und die grau-braunen Wiesen zusammen mit den kahlen Bäumen und der unverwechselbaren Stille dieser Jahreszeit hatte etwas Eigenartiges aber keinesfalls Angsteinlößendes. 




Man kann sich die saftig grünen Wiesen, durchbrochen von der Moldau nur vorstellen. Das bräunliche Wasser, verursacht durch den torfhaltigen Untergrund, bildet sicher einen großartigen Kontrast zum Grün der Wiese.

Tanz der Moldau
Die warme Moldau schlängelt sich durch dies Wiesen rund um Kvilda und man kann sich kaum Vorstellen, dass daraus einmal die Moldau wird, wie man sie in Prag kennt.

Um die Moldau und den Böhmerwald in all ihrer Pracht zu erleben ist der März wohl nicht geeignet, so viel steht fest. Das nächste Mal werden wir im April anreisen und hoffen, dass dann die Wiesen und Wälder voll im Saft stehen.


Nach diesem Ausflug  zur Moldauquelle und nach Bucina, führte uns der Weg zu einem Hochmoor in der Nähe von Kvilda, diesmal jedoch mit dem Auto. Auf etwa halbem Wege zwischen Kvilda und Horská Kvilda liegt linkerhand ein Hochmoor Namens "Jezerní slat". Ein 103,5ha großes Moorgebiet, welches bequem vom Parkplatz über einen hölzernen Steg erreicht werden kann.

Jezerní Slat
Zugang vom Parkplatz

















 

 

So das war unser Ausflug nach Kvilda im Jahre 2011. Das Jahr 2012 bescherte uns ebenfalls einen Ausflug in den Böhmerwald, diesmal aber erst im April. Mehr dazu dann im dritten Teil.

Markus

Sonntag, 22. April 2012

Ausflug nach Kvilda - Teil 1

Hallo lieber Leser,

heute geht es wie versprochen nicht um die Regensburger Foto Blos'n. Das Thema heute lautet Kvilda.

Kvilda ist ein kleines Dorf mit rund 180 Einwohnern  im Nationalpark Böhmerwald in der Tschechischen Republik. Es gibt einen kleinen Laden mit Lebensmitteln und ein kleines Sportgeschäft welches wohl hauptsächlich von den Touristen lebt. Im Winter sind es Skifahrer und Snowboarder, im Sommer Wanderer und Biker. Mehrere Lifte an den Hängen in und um Kvilda machen den Ort zu einem Skigebiet, wenn auch zu einem sehr kleinen. Die Zahlreichen Hotels und Ferienwohnungen sorgen Dafür, dass im Winter mehrere tausend Wintersportler eine Übernachtungsmöglichkeit haben.

Aber sonst ist der Ort sehr verschlafen und sehr abgelegen, denn die drei Straßen, die nach Kvilda führen, haben keine Fahrbahnmarkierung und das nächste Krankenhaus ist rund 40km entfernt. Diese Tatsache wird noch recht interessant werden. Aber dazu später.

Jetzt fragt man sich, zu Recht, wie zur Hölle kommt man auf die Idee nach Kvilda zu fahren.
Die Idee entstand, beim anhören von Smetanas Musikstück "Die Moldau". Darin wird musikalisch der Weg Tschechiens bedeutendstem Fluss von der Quelle bis zur Mündung in die Elbe behandelt. Soweit so gut, aber was hat das mit Kvilda zu tun, fragt man sich sicher. Sehr viel, denn Kvilda ist die erste Ortschaft, durch die die warme Moldau fließt. Eine sieben Kilometer lange Wanderroute von Kvilda aus führt direkt zur Quelle der warmen Moldau. Smetana beschreibt in seinem Stück den Tanz der Moldau über die Wiesen, sowie eine Bauernhochzeit. Als Inspiration dafür dürfte Kvilda gedient haben.

Wildnis
Der Weg zur Moldauquelle führt durch den Nationalpark   Böhmerwald. Dabei betritt man auch die sog. Zone 1, ein Gebiet, wo es strengstens untersagt ist die Wege zu verlassen. Solche Zonen gibt es mehrfach im Nationalpark, was das wilde und ursprüngliche Wesen der dortigen Natur schützt.

Dabei wird der Wald sich selbst überlassen, sprich totes Holz wird nicht abtransportiert, sondern bleibt liegen. Dadurch bekommt Sumava (Böhmerwald) einen urwaldähnlichen Charakter. In zahlreichen Reiseführern wird auch in der Tat vom Urwald gesprochen.

Wenn man sich auf den Weg zur Quelle aufmacht (blaue Route) und Kvilda hinter sich lässt, erlebt man häufig etwas, was wir in unserer hektischen Zeit nicht mehr gewohnt sind.
Eine unbeschreibliche Stille macht sich breit, vorallem dann, wenn kein Bach und kein Vogel in der Nähe ist.

Diese Stille ist im ersten Moment sehr ungewohnt, fast beängstigend. Und dann hört man plötzliche den eigenen Pulsschlag in den Ohren und man hält fassungslos inne.




Die Quelle selbst ist relativ unspektakulär, wenngleich man sagen muss, dass es im Bereich der offiziellen Quelle mehrere kleine Bächlein gibt, sodass eine exakte Angabe der Quelle gar nicht möglich ist.
Eine der offiziellen Quellen ist an einem Berg, der zur europäischen Wasserscheide gehört. Das bedeutet bildlich dargestellt, dass wenn man am Nordhang in die Landschaft uriniert, dann landet das Pipi in der Nordsee. Erleichtert man sich dagegen am Südhang des Berges, landet es im schwarzen Meer.
Zur Quelle führt ein Lehrpfad, der die Flora des Quellgebietes beschreibt. Man hört das leise tröpfeln des Rinnsals, der sich den steilen Berg hinab in die weite Welt aufmacht. Der aufmerksame Beobachter wird hier seltene, im Lehrpfad beschriebene Pflanzen ausmachen. Die Quelle bietet sich auch wunderbar an um hier eine kleine Brotzeit zu machen. Das Wasser ist trinkbar und hat einen sehr milden Geschmack.

Quelle der Warmen Moldau
Apokalypse























 
Folgt man der blauen Route weiter Richtung Bucina, so bekommt man plötzlich die Auswirkungen des sauren Regens und des Orkantiefs Kyrill dramatisch vor Augen geführt. Innerhalb weniger hundert Meter steht man inmitten einer Landschaft die apokalyptische Züge hat.
Kahle Baumleichen die bis zum Horizont und zum nächsten Bergkamm reichen. Aber es besteht Hoffnung, denn dazwischen wachsen immer wieder kleine Bäume, so dass man sagen kann, die Natur beginnt sich hier langsam zu erholen. 

Der Weg zur kleinen Siedlung Bucina verlangt vom Wanderfreund gute Kondition, denn es müssen mehrere Hügel überwunden werden. Der Weg aber lohnt sich.

Doch dazu mehr im zweiten Teil von Kvilda...

Bis demnächst

Markus